Autokennzeichen

Jeder kennt sie, jeder sieht sie täglich, und doch verbergen sie eine Menge Dinge, die den meisten Menschen unbekannt sind: Die KFZ-Kennzeichen, auch Nummernschild genannt. Sie sind gesetzlich vorgeschrieben, helfen die enorme Anzahl an Fahrzeugen auf den Straßen zu ordnen und verleihen bei origineller Wahl dem Auto einen persönlichen Charme.

Kfz-Kennzeichen – der EU-Kennzeichen

Hatte früher jedes Land sein eigenes Kennzeichen für Fahrzeuge, gibt es seit 1998 durch einen Beschluss der EU-Kommission das sogenannte EU-Kennzeichen. Es unterscheidet sich vom früheren deutschen Nummernschild durch ein blaues Band am linken Rand, worauf oben die zwölf Sterne der europäischen Flagge abgebildet sind und unten das Länderkürzel in Großbuchstaben.

In Deutschland wurde die schwarze Schrift auf weißem Grund im schwarzen Rahmen beibehalten (außer bei den Überführungskennzeichen mit roter Schrift und bei steuerbefreiten KFZ mit grüner Schrift). Die muss folgende Bestandteile enthalten: das Unterscheidungszeichen und die Erkennungsnummer. Das Unterscheidungszeichen ist normalerweise das Ortskürzel der Zulassungsstelle. Die Erkennungsnummer besteht aus einem oder zwei Buchstaben, gefolgt von bis zu vier Ziffern. Zusammen sind maximal acht Zeichen auf dem Schild erlaubt, bei Saison- und zweizeiligen Kennzeichen nur sieben.

Auf dem hinteren Kennzeichen ist nach dem Unterscheidungszeichen die runde Prüfplakette von der Hauptuntersuchung angebracht. Diese wird auch TÜV-Plakette genannt. Bis 2009 wurde das Gegenstück auf dem vorderen Nummernschild nach der Abgasuntersuchung geklebt. Für Motorräder gibt es das Kennzeichen in zweizeiliger Form. Daneben haben Kleinkrafträder oft ein sogenanntes Versicherungskennzeichen: Wenn sie nicht bei der Behörde zugelassen werden müssen, haben sie weiterhin die Pflicht zur Versicherung. In der ersten Zeile stehen beim Versicherungskennzeichen drei Ziffern, in der zweiten drei Buchstaben, die codiert die Versicherungsgesellschaft wiedergeben. Die Farbe wird jedes Jahr gewechselt, am unteren Rand des Kennzeichens steht das Kürzel GDV und das Jahr, in dem das Nummernschild gültig ist.

Wunschkennzeichen

Wenn ein Fahrzeugwechsel ansteht, muss der neue Besitzer ein neues Kennzeichen beantragen. Sicherer ist eine Übergabe des Fahrzeugs im abgemeldeten Zustand wegen der Gefahr eines Unfalls direkt nach dem Verkauf.

Beim Wechsel in einen anderen Zulassungsbezirk muss man seit 2015 bundesweit kein neues Nummernschild mehr beantragen, dasselbe gilt beim Fahrzeugwechsel. Nur wenn der Halter schon mit seinem alten Kennzeichen schon umgezogen ist, ist bei einem Fahrzeugwechsel ein neues Nummernschild mit dem passenden Unterscheidungszeichen erforderlich. Sollte ein neues Kennzeichen nötig sein, möchten viele Halter es nach eigenen Wünschen gestalten. Manche möchten mit den Buchstaben die Initialen des Namens darstellen oder mit den Zahlen das Geburtsjahr einer für sie wichtigen Person. Die Vielfalt der Personalisierungsmöglichkeiten wird nur von der Fantasie begrenzt.

In Deutschland wird für ein Wunschkennzeichen eine Gebühr erhoben, ebenfalls für die Reservierung desselben. Die Dauer der Reservierung schwankt deutlich je nach Behörde von drei Tagen bis drei Monaten.

Es gibt viele Anbieter nebst den Behörden selbst, die die Reservierung und Bestellung von Kennzeichen via Internet ermöglichen. Per Eingabemaske können freie Nummern gesucht werden. Oft erfolgt die Zusendung per Post, sodass heute diese Formalität bequem von Zuhause aus erledigt werden kann.

Kurzzeitkennzeichen

Für Prüfungs- und Überführungsfahrten gibt es das sogenannte Kurzzeitkennzeichen. Es hat links kein Eurofeld, beginnt mit dem Unterscheidungszeichen des Zulassungsortes, gefolgt von einer blauen Plakette und einer Zahl, die mit 03 beginnt. Es ist höchstens fünf Tage gültig. Heute sind diese Schilder in der Regel mit schwarzer Schrift ausgeführt. Rote Schilder gibt es als Kurzzeitkennzeichen für Kraftfahrzeughersteller, Kraftfahrzeugteilehersteller, Kraftfahrzeugwerkstätten und Kraftfahrzeughändler. Deren Zahl beginnt mit 06. Technische Prüfstellen und anerkannte Überwachungsorganisationen führen rote Kennzeichen mit einer Nummer beginnend mit 05. 07 steht auf roten Kurzzeitkennzeichen für historische Fahrzeuge.

Bei der Ausfuhr eines KFZ ins Ausland werden Kurzzeitkennzeichen erteilt, die nach dem Unterscheidungszeichen der Zulassungsstelle des Herkunftsortes eine rote Plakette haben, gefolgt von zwei bis vier Ziffern und einem Buchstaben. Auf einem roten Streifen ist am rechten Rand das Ablaufdatum des Versicherungsschutzes in Deutschland. Auch sie haben ironischerweise keinen EU-Streifen.

Eine Vielzahl an Sonderkennzeichen

Bis 2007 wurden sogenannte Behördenkennzeichen ausgestellt. Sie beginnen mit dem Kürzel für den Zulassungsbezirk, gefolgt von einer Nummer, die gleichzeitig codiert die Behörde erkennen lässt. Polizeifahrzeuge hatten zum Beispiel eine Nummer, die mit der Ziffer 3 oder 7 beginnt. Heute werden außer für konsularische Vertretungen keine solchen Kennzeichen mehr ausgestellt. Behörden reservieren als Ersatz bestimmte Buchstabencodes in der Erkennungsnummer, etwa "SW" für Fahrzeuge der Stadtwerke. Für Polizeikennzeichen gibt es derzeit keine einheitliche Regelung mehr.

Auch Länderregierungen und -behörden haben Sonderkennzeichen für ihre Fahrzeuge, das Unterscheidungszeichen ist ein Kürzel des Landes, gefolgt von einer Erkennungsnummer, die oftmals durch einen Code bestimmte Stellen als Halter kennzeichnen.

Fahrzeuge des Bundes führen in wenigen Einzelfällen eine Nummer, der Bundespräsident hat etwa das Kennzeichen 0 - 1. Die meisten KFZ dieser Ebene beginnen mit BD, gefolgt von einer Nummer in derselben Form. Bundesbehörden führen ein spezielles Unterscheidungszeichen, gefolgt von zwei Zahlen als Erkennungsnummer. Die Unterscheidungszeichen für Bahn und Post waren bis zur Privatisierung DB und BP, Wasser- und Schifffahrtsverwaltung haben bis heute BW, die Bundespolizei BP, die Bundeswehr Y und das Technische Hilfswerk THW. Wer sein Fahrzeug nur in einer bestimmten Saison benutzt, kann ein Saisonkennzeichen anbringen. Es hat zusätzlich den ersten und letzten Monat des Gültigkeitszeitraumes mit einem waagrechten Strich getrennt.

Seit 2012 gibt es Wechselkennzeichen, mit denen man zwei Fahrzeuge gleichzeitig kenntlich machen kann. Sie haben ein kleineres W nach dem Unterscheidungszeichen und dürfen nicht auf beiden Fahrzeugen gleichzeitig angebracht sein. Dieses Angebot hat in der Bevölkerung bisher keine große Resonanz erfahren.

Fahrzeuge, die als historisch gelten sollen, müssen mindestens 30 Jahre alt sein und werden durch ein H am Ende der Erkennungsnummer kenntlich gemacht.

In ähnlicher Weise endet das Nummernschild von Elektrofahrzeugen mit einem E.

Diplomaten führen ein Kennzeichen, das mit der Ziffer 0 oder dem Kürzel des Zulassungsbezirks beginnt. Dann folgt eine Zahl zur Länderkennung und nach einem Bindestrich eine weitere Zahl.

Wenn die NATO ein internationales Hauptquartier in Deutschland betreibt, werden die Fahrzeuge hierfür mit einem X und vier Ziffern gekennzeichnet.

Kennzeichenliberalisierung - Mehr Möglichkeiten und zusätzliche Buchstaben

Immer wieder kam es dazu, dass bestimmte Erkennungszeichen nicht mehr vergeben wurden, etwa durch Gebietsreformen. Es entstand der Wunsch, diese alten Buchstabenkombinationen wieder aufleben zu lassen. Nach einigen Kontroversen trat die entsprechende Verordnung 2012 in Kraft und ermöglichte die erneute Vergabe einer Vielzahl von neuen "alten" Kennungen. Allerdings wurde vielerorts die angebotene Möglichkeit abgelehnt. Durch eine neue fälschungssichere Schrift wurde es deutschlandweit ab 1998 mit den EU-Kennzeichen möglich, bisher schwer unterscheidbare Buchstaben zu verwenden: B, F, G, I, O und Q. Die Kombinationsmöglichkeiten wurden dadurch enorm erweitert. Dies trägt der Tatsache Rechnung, dass immer mehr Fahrzeuge auf den Straßen der BRD unterwegs sind.

Im Einzelfall kommt es dagegen vor, dass bestimmte Kombinationen von den Behörden abgelehnt werden. Zum Beispiel AH (Adolf Hitler) oder IS (Islamischer Staat) wird von manchen Zulassungsstellen in der Erkennungsnummer nicht zugelassen.

Nummernschild anbringen

Das Nummernschild muss am Fahrzeug sichtbar angebracht sein, sodass es jederzeit identifizierbar ist. Ein verdecktes oder (auch transparent) überklebtes Schild ist nicht zulässig. Es muss sauber sein. Die Anbringung ist waagrecht am Äußeren des Fahrzeugs und in der richtigen Höhe. Auch Umdrehen ist nicht erlaubt. Außer bei Überführungs- und Probefahrten muss das Nummernschild fest am Fahrzeug montiert sein. Ein Manipulieren am Kennzeichen gilt als Urkundenfälschung und Kennzeichenmissbrauch.